Dienstag, 17. Mai 2016

"Märchen – therapeutisches Schreiben"

Aus meinem entstehenden Praxisbuch


Das Märchen ist zeitlos („Es war einmal“) und muss sich nicht an realistische Begrenzungen halten. In seiner unbedarft-kindlichen Weisheit vermag das Märchen Widersprüche zu versöhnen, seelische Konflikte und „Geheimnisse“ in eine Formel, einen Zusammenhang, in Kohärenz zu bringen.


Wer kennt es nicht, das mutige Geschwisterpaar Hänsel und Gretel, das im dunklen Wald aus Hunger im verführerischen Lebkuchenhäuschen  der Hexe landet, die Menschenkinder frisst. Gretel, ursprünglich ängstlicher als ihr grosser, erfindungsreicher Bruder, vollbringt  endlich die grosse Tat, die böse Hexe im brennenden Ofen zu töten, ehe diese die Geschwister verzehrt. 


Das Märchen als Weggeschichte ist therapeutisch. Der ganz Schwache (Gretel, Gretchen!), der Naive, ist ihr Held. Freundschaft und Liebe weisen den Ausweg. Alles ist heilbar. 

Mittwoch, 11. Mai 2016

"Ruhig werden (über das Kurzgedicht Haiku)"


Aus meinem entstehenden Praxisbuch



Ist für dich klar, was wirkliches Sehen bedeuten würde?  Es bedeutete, dass du das, was vor dir ist, wenn du die Augen öffnest – der landläufige Begriff des Sehens ist ja gebunden an offene Augen (worüber man sich streiten könnte) – auf eine reine, ursprüngliche, unverzerrte Art sähest.

Ein reines Sehen, der ursprünglich-unvernebelte Blick, unverfälscht und wach, der primordial view (Ur-Blick) ist sowohl eine Richtung, zu welcher uns die Haltung des Nicht-Urteilens verhelfen kann, wie auch das Training von Konzentration, von Sammlung; wörtlich: von Einmittung, von einem Zusammenziehen.





Möwen. Das Wasser
Spritzt und die Gischt schmeckt salzig.
Der Orkan ist da

Es ist nass und kalt,
ein dunkler Februartag,

Donnerstag, 31. März 2016

"Drauflos, aber nicht ziellos"


Prozessorientierung als tätig-ruhendes Herz der Praxis


Was braucht es, damit wir uns in einem Handwerk als Könner erweisen? Wir müssen fähig sein, dieses auf eine flüssige, kohärente Art auszuüben.
Dies führt uns zu Fragen des Prozesses.
Was im handwerklichen Prozess geschieht, muss uns selbst gemäss sein und zugleich der Sache gerecht werden.  Sowohl Angemessenheit wie auch Technik sind wichtig.
Warum ist es ausserdem so erheblich, dass Hitze in der Praxis entsteht, damit die Dinge in Fahrt kommen?
Es ist keine Theorie, sondern eine bestimmte Qualität von Tun. Und zwar von Mal zu Mal.
Einübung ist entscheidend. Aber –  jedes Mal ist anders.
Damit die Muse sich bei uns niederlässt, müssen wir ihr den roten Teppich ausrollen. Immer wieder und immer wieder. Das geschieht nur durch regelmässigen Dienst. Mit Hingabe. Mit Geduld und Beharrlichkeit.
Wir müssen uns der Sache widmen.
So richtig los geht es also erst, wenn wir uns als Person essentielle Qualitäten aneignen. Wenn wir Tugenden kultivieren.

Es geht nicht nur ums Einsteigen und Wieder-Einsteigen in den Fluss.
In der Ruhe liegt die Kraft, sagt man. Was aber ist unsere „tätig-ruhende Mitte“?
Mein Gitarrenlehrer pflegte über die tägliche Praxis zu sagen: „Nur ein Drittel der Übezeit sollte Technik sein. Der ganze Rest, zwei Drittel, ist Spielen. Ist Musizieren.“

In der kreativen Mitte ankommen. Bei einer Ko-Präsenz von Hitze und Entspanntheit.

Fokussiert. Konzentriert. Voll im Prozess. Ohne einen anderen Gedanken als jenen, ganz bei dem zu sein, was gerade in diesem Moment geschieht.

So sollte Schreibpraxis sein.

Donnerstag, 3. März 2016

Warum dein eigenes Buch schreiben?



Bis wir beim Schreiben an den Punkt kommen, wo wir Leichtigkeit gewinnen und uns nicht mehr an unserem Ego selbst überladen, braucht es Einiges. Es  braucht Glück – oder eben Know-How. Wissen ums Wie. 
Das Entscheidende bleibt stets im Verborgenen. Also müssen wir uns ums Verborgene kümmern. Nicht ums Sichtbare. (Zumindest nicht in jenem Moment, wo wir die Türe öffnen, damit die Welle der Kreativität hereinschlagen kann.)
Du schreibst  d e i n  eigenes Buch. Stell dir das einmal vor! Dies ist eine Möglichkeit des Da-Seins. Das Leben bietet uns die Möglichkeit, unser eigenes Buch zu schreiben. Ein Buch, welches nur wir selbst schreiben können. Niemand anderes kann es. (Wir können überdies in Verehrung erstarren für jene Wenigen, die es getan haben und immer wieder tun.  Aber das bringt uns auch nicht näher an die Quelle, aus der wir uns eigentlich nähren wollen. – Denn wir ahnen: Auch wir haben ein Anrecht darauf. Julia Cameron spricht zum Beispiel vom „Recht zu schreiben“, das wir alle hätten.)
Ja. Oftmals haben wir den Impuls. Aber er verebbt rasch, wenn wir unsere Eingebung in die Tat umsetzen wollen.  Gibt es am Ende gar keine Brücke zwischen Impuls und Realisierung?
Doch, es gibt sie.
Wenn du dein eigenes Buch schreibst, hast du etwas in der Hand. Und zwar schon, bevor du die gedruckte Ausgabe in Händen hältst. Du hast Anhaltspunkte. Du hast den Faden aufgenommen, du spinnst ihn weiter. Du bist eingetreten in den Zustand der Inspiration. Wirklich, der Zustand der Inspiration beginnt, sobald du schreibst. Und wenn du weiterschreibst, hält er an. 
Wage das Wagnis! 
Arbeite an deiner Sprache. Finde Sprache. 
Gewinne neue Perspektiven, finde die Ausblicke ins Weite. Werde weit blickend.
Gib deinem Leben Bedeutung und lerne aus Vergangenem. 
Dein Buch kannst nur du s e l b s t schreiben.
Und in diese Richtung möchte ich dich begleiten.

Mittwoch, 20. November 2013

Und es wirkt eben doch!

Wenn ich so in die Runde höre, erstaunt mich immer wieder, wie wenige Leute von der heilsamen Wirkung des Schreibens wissen.
Liegt es an den Schwankungen des Zeitgeists? Ist es die besondere Sprachsituation der Deutschschweiz, mit funktionaler Trennung von Hochsprache und Mundart (Diglossie), die uns Hemmungen einflösst? Wurden wir durch eine oft elefantös vorgehende schulische Schreibdidaktik verbrämt? Haben wir inmitten der zunehmenden Verschriftlichung unserer Kultur den ganz persönlichen Zugang zum Schreiben verloren?

Wie auch immer: Tatsache ist, dass Schreiben hilft. Im aktuellen gleichnamigen Buch fasst Prof. Dr. med. Silke Heimes die Wirksamkeitsnachweise der Poesietherapie zusammen. Mit Poesietherapie meint  Heimes alle auf heilende Wirkungen angelegten Formen des Kreativen Schreibens inklusive des produktiven Lesens und Weiterverarbeitens von Texten.

Die Wirksamkeitsnachweise betreffen so wichtige Bereiche wie Emotionsregulation, Selbstwirksamkeit und soziale Integration. Mit anderen Worten: Wer schreibt, lernt besser mit seinen Gefühlen umzugehen, erfährt sich selbst als wirksamer und seine Handlungen als befriedigender, und er tut sich leichter damit, Teil der menschlichen Gemeinschaft zu sein.

Spezifische Indikationen betreffen die posttraumatische Belastungsstörung, Depressionen, Essstörungen, Suchterkrankungen, Erkrankungen des Immunsystems, Krebserkrankungen, Schmerz-Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegs-Erkrankungen und Weiteres.

Halten wir somit fest, dass zwischen öffentlicher Wahrnehmung und der Faktenlage bezüglich der Wirkungen des ressourcenorientierten Schreibens ein empfindliches Ungleichgewicht herrscht.

Und dass dagegen mehr getan werden muss.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Eine andere Perspektive ist möglich!

Das Foto rechts zeigt die Erde aus 1,4 Milliarden Kilometern Entfernung. Aufgenommen von der NASA-Raumsonde Cassini bei den Saturn-Ringen.
Ja, Bilder können sehr anregend sein für unsere Gedanken. Wie klein doch dieser helle Punkt ist. Ob die dort oben, wo das Foto aufgenommen wurde, auch Skype haben? Und eine NSA?
Saturn, seine Ringe, das Weltall - all dies ist schön. Wunderschön. Was ist das bloss für ein Lichtkegel im unteren Teil des Bildes? Ich fühle Frieden, wenn ich dieses Bild betrachte.
Die Kriege und das unnötige Elend werden trotzdem weitergehen.
Aber ich hoffe, mit solchen Bildern sickert etwas in unser Bewusstsein, das uns stiller und gefasster macht.

Montag, 14. Oktober 2013

Schreiben und Intuition oder Das geheime Leben der Wörter

Kennst du den Film "Das geheime Leben der Worte"? In diesem spanisch-englischen Meisterwerk aus dem Jahr 2005 findet Hanna, eine extrem isolierte Frau, dank der Kommunikation mit einem schwer verunfallten Mann, Josef, den sie auf dem Krankenbett pflegt, zurück zu ihren Gefühlen. Hanna, die nur noch das Nötigste sprach, beginnt wieder zu reden.
In der Tat führen die Wörter ein geheimes Eigenleben. Hast du dir einmal überlegt, wie viele Gefühle bei uns mitschwingen, wenn wir ein bestimmtes Wort oder eine Kombination von Wörtern hören oder denken? Es ist vor allem die Ebene der Intuition - jenes ganzheitlichen Wissens, das wir unbewusst in uns tragen -, was uns zu kommunikativen und künstlerischen Höchstleistungen befähigt.
Was Intuition in Verbindung mit Schreiben hervorbringen kann, ist auch das zentrale Thema meines Workshops am Samstag, dem 26. Oktober 2013. Es würde mich freuen, mit dir tiefer in diese Materie einzutauchen.